Im letzten Artikel hatte ich euch erzählt, wie schwierig die erste Zeit mit Kimi und Rina war – die Unsauberkeit, Streit, Giardien, Flöhe, der Moment wo ich ernsthaft daran gedacht hatte, die beiden wieder abzugeben. Und wie die Arbeit mit einer Katzenverhaltensberaterin schließlich den Unterschied gemacht hat. Heute erzähle ich euch, wie aus dieser Erfahrung mein Beruf geworden ist.
Die Katze, das unkomplizierte Haustier...
Als sich bei Kimi und Rina irgendwann so etwas wie Entspannung einstellte – die großen Baustellen abgearbeitet, eine Routine gefunden, die für alle funktionierte – da hatte ich zum ersten Mal den Kopf frei, um wirklich zu reflektieren, was in den letzten Monaten eigentlich passiert war. Und mir wurde bewusst, wie wenig ich vor der Adoption eigentlich über Katzen gewusst hatte.
Ich war dem klassischen Vorurteil aufgesessen: Katzen sind einfacher zu halten als Hunde. Katzen brauchen nicht so viel Beschäftigung. Kein Gassigehen. Können gut alleine bleiben. Katzen sind irgendwie unabhängig und kommen schon zurecht. Dass das nicht stimmt, hatte ich am eigenen Leib erfahren. Und je mehr ich durch die Beratung lernte, desto klarer wurde mir, wie viel es über Katzen zu wissen gibt, und wie wenig davon im allgemeinen Bewusstsein verankert ist.
Der Start in die Ausbildung
Dann kam die Pandemie, und mit ihr fielen plötzlich viele Freizeitaktivitäten weg. Und genau in dieser Zeit begann ich die Ausbildung zur Katzenverhaltensberaterin an der ATN.
Das ursprüngliche Ziel war denkbar bescheiden: ich wollte einfach mehr über Katzen lernen, um Kimi und Rina das bestmögliche Leben bieten zu können. Nicht mehr und nicht weniger. An einen Berufswechsel dachte ich zu dem Zeitpunkt noch überhaupt nicht. Ich arbeitete Vollzeit als Elektroingenieurin, und die Ausbildung war Freizeitprojekt, Leidenschaft, persönliche Weiterbildung.
Aber sie war auch: unglaublich spannend. Und je tiefer ich einstieg, desto mehr merkte ich, dass mich das Thema wirklich packte.
Je näher das Ende der Ausbildung rückte, desto mehr schlich sich ein Gedanke ein, den ich anfangs noch schnell beiseiteschob: dass ich das, was ich da lerne, vielleicht nicht nur für mich behalten müsste. Dass ich damit auch anderen Menschen helfen könnte. Anderen Katzenhalterinnen und Katzenhaltern, die genauso ratlos dastehen wie ich damals.
Also fing ich an, nebenbei als Katzenverhaltensberaterin zu arbeiten. Erst vorsichtig, mit wenigen Kunden, parallel zum Vollzeitjob in der Elektrotechnik. Und dann kamen die Anfragen. Mehr als ich erwartet hatte. Der Bedarf war da, und die Rückmeldungen bestätigten mir, dass ich auf dem richtigen Weg war.
Von der Ingenieurin zur Katzenverhaltensberaterin
Was folgte, war kein dramatischer Moment, sondern ein schrittweiser Prozess. Ich reduzierte meine Arbeitszeit als Ingenieurin, baute die Verhaltensberatung weiter aus, schaute wie sich das anfühlte und ob es funktionierte. Und letzten Sommer habe ich dann den letzten Schritt gemacht: meinem alten Beruf den Rücken gekehrt und die Katzenverhaltensberatung zu meinem Vollzeitberuf gemacht.
Natürlich ist das eine andere Welt. Als Elektroingenieurin in einem großen Konzern hatte ich absolute Sicherheit. Geregeltes Einkommen, klare Strukturen, ein eingespieltes System. Als selbstständige Verhaltensberaterin habe ich das Gegenteil davon: maximale Freiheit und maximale Unsicherheit. Man ist zu Hause, man arbeitet unabhängig, man muss sich neu organisieren und vieles selbst in die Hand nehmen, was vorher einfach da war.
Natürlich gab es Zweifel. Es wäre auch komisch, wenn die ausgeblieben wären.
Aber bereut habe ich es keinen einzigen Tag.
Was mich dabei ein bisschen schmunzeln lässt: die Ingenieurin ist ja gar nicht wirklich verschwunden. Analytisches Denken, strukturiertes Vorgehen, Projektmanagement, das alles kommt mir in der Selbstständigkeit und in der Verhaltensberatung zugute, manchmal mehr als ich erwartet hätte. Und wenn es um technische Dinge geht, Computerkenntnisse, Organisation, bin ich froh, dass ich diesen Hintergrund mitbringe. Man nimmt eben mehr mit als man denkt, wenn man einen Beruf hinter sich lässt. Ebenso hat die Selbständigkeit viele Facetten. Ich bin nicht nur Katzenverhaltensberaterin, sondern auch Buchhalterin, Marketingmanagerin, Contentplanerin, und noch vieles mehr.
Und so schließt sich für mich ein Kreis, der mit zwei einäugigen Katzendamen aus Kroatien begann, mit Pipipfützen auf dem Sofa weiterging, und irgendwie genau da gelandet ist, wo er hingehört.
Ich bin froh, dass Kimi und Rina damals so viel Chaos mitgebracht haben. Es hat sich gelohnt..
