Viele Menschen denken immer noch, dass Katzen sich nicht trainieren lassen. Dabei geht das erstaunlich gut, und zwar nicht nur für niedliche Tricks, sondern auch für sogenannte Life Skills. Das sind wichtige und praktische Fähigkeiten, die deiner Katze und dir in eurem Alltag helfen, wie zum Beispiel Medikamentengabe und Bürsten. Wenn du wissen möchtest, wie du am besten mit dem Katzentraining startest, findest du hier die wichtigsten Grundlagen.
Was ist Katzentraining eigentlich?
Katzentraining läuft in der Regel über Klickertraining. Im Kern ist das ein Markertraining, das heißt, ein bestimmtes Signal, zum Beispiel der Klick eines Klickers, zeigt deiner Katze genau in dem Moment, dass sie gerade etwas richtig gemacht hat. Direkt danach kommt die Belohnung. Diese Form des Trainings arbeitet mit positiver Verstärkung, deine Katze zeigt also ein gewünschtes Verhalten und wird dafür belohnt.
Grundsätzlich kann jede Katze trainiert werden. Bei ganz jungen Katzen fallen die Einheiten am besten etwas kürzer aus, und bei älteren Katzen oder Katzen mit Vorerkrankungen solltest du auf die körperlichen Gegebenheiten Rücksicht nehmen. Das gilt im Grunde für jede Katze, wenn du also weißt, dass deine Katze bestimmte körperliche Einschränkungen hat, passe das Training entsprechend an.
Die richtige Belohnung finden
Bevor es losgeht, brauchst du eine Belohnung, für die deine Katze auch wirklich arbeiten möchte. Am häufigsten ist das eine Futterbelohnung, das kann ein besonders attraktives Trockenfutter sein, ihr Nassfutter, ein Schlecksnack, etwas Fleisch oder ein Leckerli aus dem Handel. Wichtig ist einfach, dass es etwas ist, das deine Katze richtig gerne mag.
Ist die Belohnung aus Sicht deiner Katze sehr attraktiv, kann es passieren, dass sich deine Katze in Anwesenheit dieses Snacks gar nicht mehr konzentrieren kann. Dann wechselst du besser zu etwas, das aus Katzensicht etwas weniger spannend ist. Achte außerdem darauf, dass sich die Belohnung schnell schlucken lässt, damit ihr zeitnah mit dem nächsten Klick weitermachen könnt. Größere Stücke, an denen lange gekaut wird oder die vielleicht sogar weggetragen werden, bremsen den Trainingsfluss unnötig aus. Wenn du noch nicht genau weißt, was deine Katze am liebsten mag, biete einfach mal verschiedene Leckerlis an und schau, was am besten ankommt.
Ist deine Katze nicht futtermotiviert, kannst du auch mit Spielen oder Streicheln belohnen. Spielen eignet sich hier meist besser, denn für das Klickertraining sollte deine Katze in einer Art „Arbeitsmodus“ sein, und das passt oft nicht so gut zur eher ruhigen Stimmung beim Streicheln.
Den Marker aufbauen
Sobald du eine passende Belohnung gefunden hast, geht es darum, deine Katze auf den Marker zu konditionieren. Als Marker kannst du einen Klicker nehmen, aber genauso gut ein Zungenschnalzen, ein Markerwort oder, zum Beispiel bei tauben Katzen, ein optisches Signal wie eine Hand- oder Lichtbewegung.
Für den Aufbau setzt du dich ruhig hin, während deine Katze wach und aktiv vor dir ist. Dann gibst du den Marker, also den Klick oder das Wort, und reichst direkt danach die Belohnung. Die Reihenfolge ist dabei entscheidend, erst der Marker, dann das Leckerli, und das Leckerli sollte höchstens eine Sekunde nach dem Marker folgen.
Nach ein paar Wiederholungen wirst du merken, dass deine Katze nach dem Marker erwartungsvoll zu dir aufschaut. Das ist das Zeichen, dass sie den Marker mit der Belohnung verknüpft hat. Ab diesem Punkt kannst du mit dem eigentlichen Training beginnen.
Das erste Trainingsziel festlegen
Überlege dir zunächst, was du mit deiner Katze trainieren möchtest. Das kann ein klassischer Trick sein, wie Pfötchen geben, Männchen machen oder über etwas springen, es kann aber auch sogenanntes Medical Training sein, etwa das selbstständige Reingehen in die Transportbox, die Tablettengabe oder ein grundsätzliches Berührungstraining. Der Fantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt.
Wichtig ist, dass du dir die einzelnen Schritte überlegst, die deine Katze braucht, um am Ende beim gewünschten Verhalten anzukommen, und dass du das Endverhalten kleinschrittig aufbaust. Beim Beispiel Pfötchen geben würdest du deine Katze schon belohnen, wenn sie zum Beispiel das Gewicht von einer Pfote nimmt oder die Pfote nur ganz minimal vom Boden löst. Erst nach und nach näherst du dich Schritt für Schritt dem eigentlichen Zielverhalten an.
Ein schöner Einstieg für Anfänger:innen ist das sogenannte Target-Training, bei dem deine Katze lernt, mit der Nase einen Targetstab zu berühren. Dazu hältst du den Stab zunächst etwa zwei Zentimeter vor die Nase deiner Katze, sie wird dann meist neugierig den Kopf nach vorne strecken. Genau das kannst du schon belohnen. Hat deine Katze die ersten Schritte verstanden, bewegst du den Targetstab in kleinen Abständen immer weiter von ihr weg, bis sie schließlich lernt, dem Stab zu folgen.
Wenn du erfahren möchtest, was deine Katze beim Training alles lernen kann, schau dir meinen Artikel an: Katzentraining – was deine Katze dabei alles lernen kann.
Wie oft und wie lange solltest du trainieren?
Besser als eine lange Trainingseinheit sind viele kurze. Eine einzelne Einheit darf ruhig nur zwei bis drei Minuten dauern. Wichtig dabei ist eine relativ hohe Belohnungsrate, damit deine Katze nicht frustriert wird oder das Interesse verliert.
Beende das Training außerdem, solange deine Katze noch motiviert bei der Sache ist, und schließe mit einem kleinen Highlight ab, damit das Trainingsende für sie nicht mit Frust verbunden ist. Hat sich deine Katze erst einmal an das Training gewöhnt und weiß, dass sie sich dort Leckerchen erarbeiten kann, kann ein abruptes oder unangenehmes Ende sonst zu Frust führen.
Typische Anfängerfehler
Beim Einstieg ins Katzentraining schleichen sich häufig ähnliche Fehler ein. Ein Klassiker ist falsches Timing, der Klick kommt zu spät, die Belohnung dauert zu lange, oder die Katze wird schon durch die Bewegung der Futterhand abgelenkt, bevor überhaupt geklickt wurde.
Ein weiterer häufiger Fehler sind zu große Trainingsschritte. Wird ein Schritt zu anspruchsvoll gewählt, weiß deine Katze plötzlich nicht mehr, was von ihr erwartet wird, wird frustriert und verliert das Interesse.
Auch zu langes Trainieren gehört dazu. Wenn das Training so lange dauert, bis deine Katze satt ist, das Interesse verliert oder müde wird, wirkt sich das negativ auf die Motivation für die nächste Einheit aus.
Und schließlich spielt auch deine Körpersprache eine Rolle. Beugst du dich versehentlich über deine Katze oder bewegst deine Hände zu schnell, kann das gerade Katzen erschrecken, die im Umgang mit Menschen noch etwas ängstlich sind.
Katzentraining bei mehreren Katzen oder bestehenden Konflikten
Lebst du mit mehreren Katzen zusammen oder gibt es bei euch schon Spannungen zwischen den Katzen, kann gezieltes Training auch dabei helfen, das Zusammenleben zu entspannen. Wie du Training in diesem Zusammenhang einsetzen kannst, liest du in meinem Artikel Katzentraining bei Konflikten im Mehrkatzenhaushalt.
Fazit
Der Einstieg ins Katzentraining ist einfacher, als viele denken. Mit der richtigen Belohnung, einem sauber aufgebauten Marker und kleinschrittigem Vorgehen kannst du mit jeder Katze trainieren, ganz egal wie alt sie ist oder wie viel Vorerfahrung ihr beide schon habt. Wichtig ist vor allem, geduldig zu bleiben, in kurzen Einheiten zu arbeiten und typische Anfängerfehler wie falsches Timing oder zu große Trainingsschritte zu vermeiden.
Wenn du dir dabei Unterstützung wünschst oder gezielt an bestimmten Verhaltensweisen arbeiten möchtest, schau dir gerne mein Angebot zum Online-Katzentraining an.